“Sthira Sukham Asanam”



“Die (Sitz-) Haltung sollte stabil und gleichzeitig angenehm sein”   Vers 2.46

…einer meiner Lieblingsverse aus Patanjalis Yoga Sutra (einem der bedeutendsten Schriften der Yoga Philosophie).
Oder so: Immer schön geschmeidig bleiben, auch wenn es mal anstrengend ist!

Shtira bedeutet Stabilität, Verwurzelung, Widerstandsfähigkeit

Sukham bedeutet Flexibilität, Leichtigkeit, Beweglichkeit

Dieser Vers steht also einfach gesagt für das Wechselspiel der Polaritäten, wie wir sie überall im Alltag finden.

Sthira sind die stabilen, manchmal auch starren Elemente des Lebens. Das, was uns erdet, verwurzelt und Sicherheit gibt. Sukha wiederum gibt uns die Leichtigkeit die wir brauchen, um Dinge loslassen zu können. Wir brauchen eine Flexibilität, um uns auf Veränderungen einlassen zu können, ohne dass sie uns aus der Bahn werfen.

Ein Baum beispielsweise hat seine starken Wurzeln fest im Boden verankert. Seine dünnen Äste jedoch bewegen sich weich und flexibel im Wind. Der Baum hat´s drauf – glänzt durch beides: Stärke und Flexibilität! Gerade im Herbst zeigt uns die Natur wieder, wie es richtig läuft. Die Bäume lassen die Blätter fallen und ziehen die Energie zum Stamm, zur Wurzel. Bestens gewappnet für die aufkommenden Stürme und den kalten Winter.

Stress entwurzelt uns gerne mal und paradoxerweise reagieren wir darauf eher mit Stärke, versuchen dann besonders widerstandsfähig zu sein. Vielleicht ist aber genau in diesen Phasen an vielen Stellen Leichtigkeit die beste Wahl, sich von Dingen lösen, gedankliche Grenzen auflösen und neue Wege gehen. Wären die Äste des Baumes starr und fest, würden sie entweder beim ersten Sturm brechen, oder der Baum würde sogar entwurzelt werden.

Ohne eine starke Basis fällt es uns schwer Vertrauen zu entwickeln, dass mit einer Veränderung nicht der Untergang naht, sondern dass wir mit dem Fluss des Lebens schwimmen dürfen. Zu viel Leichtigkeit kann wiederum auch in Leichtsinnigkeit umschlagen. Wie in fast allen Bereichen ist die goldene Mitte am Gesündesten.  Aber wie komme ich in diese Mitte? Wie halte ich die Balance?

Wichtig ist, überhaupt zu erkennen, dass ich zu weit in eine Richtung abgedriftet bin und die Balance ins Wanken geraten ist. Eine achtsame, aber wohlwollende und liebevolle Selbstbeobachtung ist oftmals der erste und wichtigste Schritt um die Weichen zu stellen, den Kompass neu auszurichten.

Und in der Yoga Praxis?
Ziehst Du Deine Schultern oft hoch und verspannst ? Presst Du Deinen Ober-und Unterkiefer zusammen? Beobachte Dich und vielleicht lässt Du es hier bewusst auch ein wenig lockerer angehen.
Wie stabil stehst Du in Balance Haltungen? Wackelst Du sehr und sehnst Dich nach der nächsten Wand, um Dich festzuhalten? Dann fehlt Dir zur Zeit vielleicht ein wenig Stabilität im Alltag.

Im Yoga schulen wir die Körperwahrnehmung. Wir lernen immer wieder die Rolle des Beobachters einzunehmen und das richtige Maß zu finden zwischen Shtira & Sukham.

Das ist auch Thema in meinen Yoga-Klassen. Kraft & Dehnung, Anspannung & Entspannung, Yang & Yin, Laut & Leise .

Und am Ende findest Du Dich irgendwo in der Mitte wieder, dort wo es am Schönsten ist!

Danke dass Du Dir die Zeit genommen hast.

Bis bald